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Das Nadelwehr in Fahrenholz

Etwa 500 m östlich von Fahrenholz befindet sich im Ilmenau-Kanal eine Schleuse und ein Wehr. Bei dem Wehr handelt es sich um ein Nadelwehr. Ein Nadelwehr verläuft diagonal und/oder quer zur Flussachse und muss den Flusslauf, im Gegensatz zum festen, gemauerten Wehr, nicht vollständig absperren.

HolznadelnBei einem Nadelwehr ist der Wasserstand durch Entfernen vierkantiger Holzpfähle (Nadeln) die auf dem Grund des Flusses durch eine Mauerkante und oberhalb der Wasserlinie an einem Laufsteg durch den Wasserdruck festgehalten werden, sehr genau regulierbar. Die Durchflussmenge wird durch Wegnehmen oder Hinzufügen von einzelnen Nadeln verändert. Das Wehr besitzt rund 450 dieser Nadeln.

Eine Dienstanweisung aus dem Jahre 1894 besagte, dass der Schleusenmeister bei Pegeln von mehr als 2,60 m (bedingt durch Hochwasser oder Sturmflut) oder bei Eisbildung oberhalb des Wehres entsprechende Nadeln zu entfernen habe.

Beim Bau des Nadelwehres um 1880 wurde schon damals eine Fischtreppe angelegt und das „Fischen im Bereich des Fischpasses” verboten. Schon vor über 100 Jahren war bekannt, dass einige Fischarten im seichten Wasser des Oberlaufes laichen (Lachs, Meerforelle und Stint) oder die Jungfische vom Meer her die Flüsse hinauf wandern (Aal) und damit ihre Verbreitungsgebiete zurück erobern. Beides ist aber nur möglich, wenn ihnen nicht unüberwindbare Hindernisse in den Weg gebaut werden. Deshalb gibt es die Fischtreppen, über die die Fische die Oberläufe der Flüsse und Kanäle erreichen können. Auch aus Sicht der Fischer sind Fischtreppen von existentieller Bedeutung.

Skizze Nadelwehr

Die Schleusenanlage und das Wehr in Fahrenholz wurden im Zuge des Ilmenau-Kanalbaues 1886-88 errichtet. Aufzeichnungen aus dem Jahr 1908 zählten für die Fahrt durch die Schleuse 1.975 Frachtschiffe und 541 Dampfmotorboote mit 53.529 Tonnen Fracht. Heutzutage wird die Schleuse vorwiegend von der Sportbootschifffahrt benutzt.

Der Ilmenau-Kanal hat seine Bedeutung als Schifffahrtsweg heute weitgehend eingebüßt, dient aber nach wie vor seinem zweiten Zweck: Der Entwässerung der Elbmarsch, gemeinsam mit dem Ilau-Schnedegraben bei Laßrönne. Unterhalb des Nadelwehres mündet linksseitig von Süden her die Roddau und rechtsseitig von Nordosten kommend die Neetze über ein Siel und Schöpfwerk in den Ilmenau-Kanal. Die Neetze fließt zwischen Horburg und Fahrenholz im ehemaligen Bett der alten Ilmenau.

Die Unterhaltung eines Nadelwehrs ist arbeits- und kostenintensiv, weil es nur manuell aufwändig bedient werden kann und kaum zu mechanisieren ist. Zudem haben die vielen Nadeln nur eine relativ geringe Lebensdauer. Andererseits konnte mit ihnen schon vor über 100 Jahren der Wasserstand bei Hochwasser cm-genau reguliert, bzw. die benötigte Wassertiefe für die Schifffahrt gewährleistet werden.

Die Zahl der Nadelwehre hat in den letzten Jahrzehnten in Deutschland deutlich abgenommen. Der Erhalt und die Restaurierung des Nadelwehres bei Fahrenholz ist deshalb eine wasserbau-geschichtlich wichtige Aufgabe.


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