Der Weißstorch (Ciconia ciconia)
Der in der Elbmarsch beliebte Weißstorch - sein Fabelname ist Adebar - wurde 1984 und 1994 Vogel des Jahres. Dem Volksglauben nach bringen Störche Glück und Segen und vor allem Kinder ins Haus.
Sie haben ein rein weißes Federkleid und schwarze Schwungfedern. Der Schnabel und die Beine sind rötlich. Sie sind ca. einen Meter groß und haben eine Flügelspannweite bis 2,20 Meter und wiegen zwischen. 2,5 und 4,5 kg. Störche können über zwanzig Jahre alt werden. Ein beringter Weißstorch wurde nachweislich 33 Jahre alt. In Gefangenschaft können Störche noch älter werden; das höchste Alter liegt hier bei 48 Jahren.
Er wird Klapperstorch genannt, weil er sich durch Klappern mit dem Schnabel verständigt, da seine Stimme nur schwach ausgeprägt ist. Geklappert wird zur Begrüßung des Partners am Nest und zur Verteidigung gegen Nestkonkurrenten. Auch beim Balzritual wird ausgiebig mit dem Schnabel geklappert.
Im Volksglauben sind Frösche die wichtigste Nahrung eines Weißstorchs. Sie bilden aber nur einen Teil der Nahrung. Der Weißstorch ernährt sich ausschließlich von Kleintieren wie Regenwürmern, Insekten, Fröschen, Fischen, Wühlmäusen und anderen Mäusen, Maulwürfe, Hamstern und auch Aas. In den afrikanischen Winterquartieren verzehren sie auch Heuschrecken. Störche sind tagaktive Vögel. Sie schleichen sich mit langsamen Schritten an ihre Beute heran und stoßen dann blitzschnell mit dem Schnabel zu. Der Weißstorch benötigt am Tag ca. 500g Nahrung (26 Feldmäuse oder 1100 Regenwürmer). Er ist ein Nahrungsopportunist, weil er auf keine Nahrung spezialisiert ist, sondern die Beute frisst, die häufig vorhanden ist.
Die Nester findet man auf Bäumen, Gebäuden, Strom- und speziell für sie aufgestellten Storchenmasten. Er bevorzugt offene und halboffene Landschaften in feuchten und wasserreichen Gegenden, wie Flussauen und Grünlandniederungen. Seine Brutgebiete reichen von Spanien bis Russland und liegen auch in Nordafrika und Vorderasien. Weißstörche nisten in der Regel auf demselben Horst. Männchen und Weibchen, die man kaum auseinander halten kann, treffen sich alljährlich im Frühjahr am Nest vom Vorjahr wieder. Die Jahresbrut besteht in der Regel aus 3 bis 5 Eiern, weiß mit feiner Körnung und ungefleckt. Sie sind doppelt so groß wie ein Hühnerei. Nach ca. 30 Tagen schlüpfen die Küken und nach weiteren 8 bis 9 Wochen fliegen sie das erste Mal mit den Eltern auf Nahrungssuche. Im Alter von 3-4 Monaten fliegen sie in den Süden. Dort bleiben sie in der Regel 3-4 Jahre und kehren dann das erste Mal zur Paarung und Brut in den Norden zurück. Im Nest können bis zu sechs Jungtiere aufwachsen. Es fallen aber immer Eier oder Küken aus dem Nest und bei Nahrungsmangel werfen Eltern Küken sogar heraus. Einige Jungtiere überleben nicht ihre ersten Flugversuche. Aus 100 gelegten Storcheneiern entwickeln sich nur 15 Störche zur Geschlechtsreife und Familiengründung.
Jedes Jahr im Herbst legen die Zugvögel lange Strecken zwischen ihren Brutgebieten und Winterquartieren in Afrika südlich der Sahara zurück. Der Weißstorch ist ein Segelflieger, der mit seiner Flügelspannweite warme Aufwinde (Thermik) nutzt. Über dem Wasser entsteht keine Thermik, darum muss der Weißstorch das Mittelmeer umfliegen, um nach Afrika zu gelangen.
Die Störche ziehen auf zwei verschiedenen Routen. Man unterteilt sie in die Ost- und die Westzieher. 10 Prozent der Gesamtpopulation ziehen über die Westroute. Einige wenige fliegen bis zu 10.000 km bis nach Südafrika. In den letzten Jahren bleiben viele Störche auf der westlichen Route in Spanien und Portugal, weil es ein großes Nahrungsangebot auf Reisfeldern und Mülldeponien gibt. Immer wieder verbleiben Störche auch über die Winterzeit in ihren Sommerstandorten. In den meisten Fällen handelt es sich dabei um ausgewilderte Tiere, die auf Grund von Verletzungen an den Menschen gewöhnt sind.
Der Storch ist nie direkt vom Menschen verfolgt worden. Die Intensivierung der Landnutzung (Trockenlegung von Gewässern, Eindeichung, Intensivierung der Landwirtschaft, Überbauung usw.) verringert seine Nahrungsgrundlage, wodurch ein starker Rückgang des Bestandes zu verzeichnen ist. Hier in der Elbmarsch spielten die Entwässerungsmaßnahmen des ausgehenden 19. Jhr. eine große Rolle für den Rückgang der Störche. Ende des 19 Jhr. gab es allein in Bütlingen noch 42 Nester. 1909 waren 23 Nester in der Winsener Marsch und 1971 nur noch 13 Nester in der Elbmarsch besetzt. Von 1971 - 2007 gab es in der Elbmarsch durchschnittlich 15 belegte Nester und insgesamt 342 Nestpaare mit 600 ausgeflogenen Jungen. Heute sind wieder 23 Nester belegt.
Um den Bestand der Weißstörche zu halten, sollten pro Nest jedes Jahr 2 Jungvögel ausfliegen. 1974 bis 2002 war der Storch auf der Roten Liste der in Niedersachsen und Bremen gefährdeten Brutvögel als vom Erlöschen bedroht gekennzeichnet. Seit 2007 ist er auf die Kennzahl 2 stark gefährdet gesetzt worden, weil sich der Bestand der Störche stabilisiert hat. Vom Schutz der Störche würden auch unzählige andere Tier und Pflanzenarten stark profitieren. Die Elbmarsch schließt hier an die Ferienroute “Deutsche Storchenstraße” an, die die besondere Natur- und Kulturlandschaft verbindet.