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Dränge- und Qualmwasser

QualmwasserflächeAls Qualmwasser bezeichnet man Wassermengen, die im Boden unter dem Deich durchgedrückt werden und binnendeichs wieder austreten, wenn der Pegel im Fluss hoch ist.

Während Dränge-, Sicker- bzw. Kurverwasser infolge der Schwerkraft in ufernahe Bodenschichten eindringt und bei Hochwasser auch durch den Deichkörper durchsickern kann, wird das Grundwasser in tiefere wasserleitende Bodenschichten gedrückt und sucht sich unter dem Deichkörper hindurch einen Weg. Als Qualmwasser kann es unmittelbar hinter dem Deich oder auch erst in größerer Entfernung vom Deich im Binnenland zu Tage treten und bildet temporäre Flachgewässer.

An den Stellen, an denen die abdichtende Lehmdecke nur gering ist bzw. gänzlich fehlt, kommt es zum Austritt des Qualmwassers. Dabei erfolgt der Wasseraustritt manchmal "brodelnd" bzw. "qualmend", weil im Boden eingelagerte Luft hochgedrückt wird.

Als Wasserleiter besonders geeignet sind sandige und kiesige Bodenschichten mit großem Porenvolumen, wie sie z.B. häufig dort auftreten, wo ehemalige Flussrinnensysteme existieren, die unter dem Deichfuß hindurchlaufen.

Die Elbe ist ein Sandfluss. Und die Deiche sind vielerorts auf Sand gebaut. Bei Hochwasser schwellen Strom und Nebengewässer an und dann wird es auch binnendeichs nass. Bei fallenden Pegelständen versickert das Qualmwasser nach kurzer Zeit wieder.

Durch ein Abpumpen dieses Wassers wird lediglich erreicht, dass der Wasserzulauf aufgrund höherer Druckverhältnisse steigt. Schon im 19. Jahrhundert war bekannt, dass die beste Maßnahme darin besteht, die Austrittsstellen des Qualmwassers mit Erdwällen zu umgeben und den Wasserstand ansteigen zu lassen bis ein Druckausgleich gegeben ist. Solche Qualmwasserpolder sind z.B. in Tespe, und auch in Schwinde zu finden.

Dränge- und Qualmwasser Wege

Qualmwasser kann zu verspäteter Frühjahrsbestellung in der Landwirtschaft und zur Bodenauslaugung führen. Das Wasser wird auf seinem Weg durch den Sand filtriert. Dadurch sind die temporären Wasserstellen nährstoffärmer als bei einer direkten Überflutung, was oft erhebliche Schäden auf den deichnahen landwirtschaftlichen Flächen zur Folge hat.

Im Naturschutzgebiet ist das Qualmwasser ein erwünschter Effekt. Es bildet die Grundlage für wertvolle Biotope. Diese Biotope bilden u.a. einen Lebensraum für Rotbandunke, Moorfrosch, Laubfrosch und beherbergen eine ganz spezielle Fauna.

Ein weiterer wichtiger ökologischer Aspekt des Qualmwassers ist, dass die temporären Sickerstellen den Qualmwasserkrebsen (Hemidiaptomus superbus) eine lebensnotwendige Grundlage bilden. Wassertemperaturen von nur wenigen Grad über Null bieten den Krebsen ideale Lebensbedingungen. Im Bereich der unteren Mittelelbe können vier unterschiedliche Arten nachgewiesen werden. Grundvoraussetzung für das Vorkommen dieser urzeitlichen Krebsart ist das Fehlen von Räubern. Trocknet ein Gewässer aufgrund geänderter Verhältnisse nicht mehr aus, können sich Räuber etablieren. Die Krebse stellen eine leichte Beute dar und werden wieder stark dezimiert.


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