Der Mühlenpott
Östlich des Dragweges gelegen sind drei kleine Hügel mit zwei Flügeldeichen erkennbar. Hierbei handelt es sich um die Fundamente einer Feldentwässerungsmühle. Sie hatte die Aufgabe, Wasser aus Gräben mit Hilfe des Windes in höher gelegenes Terrain zu "mahlen". Solche Bockwindmühlen waren nötig geworden, um nach Elbhochwassern die Felder wieder zu entwässern, was zu einer Ertragssteigerung im Feldanbau beitrug.
Die Flügel wurden mit Segeltuch bespannt. Durch das Windhalsrad wurde die Drehung auf die stehende Welle und weiter auf die in einem Kasten zum Wasser geneigt liegende Wasserschnecke (Archimedische Schraube) übertragen. Das Wasser wurde in einen eingedeichten Pott befördert. Durch ein Siel gelangte das Wasser letztendlich über die Ilau wieder in die Elbe.
Diese um 1875 erbaute Bockwindmühle (auch Ständermühle, Kastenmühle oder Deutsche Windmühle) stand auf einem Untergestell, einem dreibeinigen Bock. Jedes Bein stand auf je einem Hügel. Auf diesem Bock war das eigentliche Mühlenhaus (oder der Mühlenkasten) gelagert. Dieses Mühlengehäuse konnte mitsamt dem Getriebe mit Hilfe des herausragenden Hebelbalken (Steert) von Hand um den senkrecht stehenden Hausbaum oder Ständer gedreht werden. Der Hebebalken wurde auch gleichzeitig als Treppe genutzt.
Legende:
- Bock
- Mühlenkasten
- Hausbaum
- Steert (Hebelbalken)
- Wasserschnecke
- Windhalsrad
- Hügel
- Pott
- Schneckenkasten
- Windflügel
Solche Mühlentypen waren seinerzeit weit verbreitet und verrichteten ihren Dienst zuverlässig. Bockwindmühlen wurden in Norddeutschland seit dem 16. Jahrhundert nach und nach von den weiterentwickelten Kokerwindmühlen verdrängt. Noch heute kann man solch eine Bockwindmühle im Freilichtmuseum Rieckhaus in Curslack sehen.
Die hier gestandene Mühle war wohl aber nicht die Beste, wie Peter Harmssen (Hunden) in einem Gutachten für die Wassergenossenschaft schrieb:
"Merkwürdigerweise ist in den ganzen Aufzeichnungen keine Silbe über die Vorteile der Schöpfmühle am Achterdeich enthalten, jedenfalls ist es deshalb unterblieben, weil es eine total verfehlte Anlage war, nun baute man aber doch keine Schöpfmühle neu. Daß die Interessenten der Schöpfmühle (Elbmarschdörfer von Drage bis Obermarschacht) von Herzen froh waren, als die Wassergenossenschaft ihnen dieses Schmerzenskind durch die Übernahme der 25.000 Mark Schulden abnahm, kann man ihnen nicht verdenken, denn nun konnte die Mühle auf Abbruch verkauft werden.”