Landwirtschaft in der Elbmarsch
Vor der ersten Jahrtausendwende bedeckten große Auenwälder Teile der Marsch. Schon ab dem 13. Jahrhundert wurde die Elbmarsch in Kultur genommen - die großen Sumpf- und Röhrichtflächen ausgenommen. In den eingedeichten Gebieten wurde überwiegend Ackerbau betrieben, außerhalb dieser fast ausschließlich Grünlandwirtschaft. Erst mit der Regulierung einiger Nebenflüsse der Elbe, besonders der Ilmenau, ab Mitte des 19. Jhr. wurden große Teile der Marsch wirkungsvoll entwässert. In den folgenden Jahrzehnten gewann der Ackerbau an Bedeutung. Trotzdem haben die nährstoffhaltigen, schweren, ton- und schluffhaltigen Marschenböden auch noch heute einen guten Wasser- aber schlechten Lufthaushalt. Durch Rückstau von Elbehochwässern, Qualm- und Oberflächenwasser in länger anhaltenden Regenperioden kommt es auch heute noch zu wassergesättigten, teilweise auch überschwemmten Böden, so dass die Bodenbearbeitung der Ackerbauflächen gut geplant werden muss.

Der Ackerbau beschränkte sich auf bestimmte hochgelegene Flächen, die mit einem dichtliegenden Grabennetz entwässert wurden. Dies waren weniger die Flächen in der Binnenmarsch, sondern vorrangig Flächen der Elbdörfer, die etwas höher liegen und deren Boden häufiger auch etwas sandiger ist. Angebaut wurden Roggen, Bohnen, Raps und Lein. Nach 1870 wurden Raps und Lein aus Gründen der fehlenden Rentabilität aufgegeben. Kartoffeln wurden erst nach 1770 angebaut. Ende des 18. Jahrhunderts gab es einen herben Rückschlag durch die Kraut- und Braunfäule (Phytophthora cryptogea), die die Kartoffelernte weitgehend vernichtete.
Gemüse wurde erst Ende des 19. Jahrhunderts angebaut und die Flächen nach dem 1. Weltkrieg deutlich vergrößert. Wie beim Ackerbau lagen die Flächen vorrangig in den Elbdörfern und zwar in den Orten Drage, Drennhausen, Elbstorf, Stove und Schwinde, später auch in Nieder- und Obermarschacht. Die wichtigsten Kulturen waren Frühkartoffeln, Erdbeeren, Gurken, Bohnen, Porree, Grünkohl, Karotten, Blumenkohl und Maiblumen (Maiglöckchen) als Treibkeime. Bereits Anfang des 20. Jahrhunderts wurden Frühbeetkästen und auch Gewächshäuser gebaut, um Frühgemüse zu produzieren. Gefördert wurde der Gemüseanbau durch das positive Beispiel der Vier- und Marschlande auf der anderen Elbseite.
Sowohl für die Vierländer als auch für die Elbmarscher war der Hauptabsatzmarkt der Hamburger Großmarkt. Etwa 1970 war der Höhepunkt sowohl der gärtnerischen als auch der landwirtschaftlichen Produktion überschritten. Die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe beträgt heute nur noch einen Bruchteil der 1950 existierenden Betriebe.
Trotz vieler Viehseuchen, vor allem in den Jahren 1750 bis 1777, war die Rinderzucht ein bedeutender Wirtschaftszweig. Gezüchtet wurde die Rasse Schwarzbuntes Milchvieh, Ziel war vor allem, die Milchleistung zu steigern. Bereits 1928 lag die Milchleistung bei über 4.500 kg und 3,2 % Fett (pro Kuh und Jahr). Diese Leistungssteigerungen waren nur dann möglich, wenn durch Mineraldüngung - seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts - der Nährwert des Futters gesteigert wurde. Auch Ochsen- und Kälbermast wurde betrieben.
Die Schweinezucht ist bereits seit 1575 im Raum Bütlingen bekannt. Die Tiere wurden von Mitte Oktober bis Mitte Dezember zur Vor- und Fettmast in den Wald getrieben, danach folgte die Nach- oder Faselmast. Tagsüber waren die Schweine auf der Schweinewiese, nachts im Haus in einer Art Koben. Die Nachmast dauerte bis Februar/März.
Ein weiterer wesentlicher Wirtschaftszweig war die Pferdezucht, Rasse Hannoversches Halbblut. Die Tiere wurden zunächst ausschließlich als Zugpferde genutzt. Reit- und Fahrvereine wurden erst nach dem 1. Weltkrieg gegründet. Der Stover Rennverein, veranstaltet seit 1875 auf der eigenen Rennbahn in Stove Renntage.

Diese Informationstafel befindet sich etwa 300 m westlich von einem typischen Marschenhof. Der Meyersche Hof wurde Mitte des 16. Jahrhunderts gegründet. Er liegt aus Gründen des Hochwasserschutzes auf einer ca. 1,70 m hohen Wurt und befindet sich in der 22. Generation! Ende des 20. Jahrhunderts wurde das marode Reetdach entfernt und aus Kostengründen durch ein dachziegelartiges Blechdach ersetzt. Das ursprüngliche Hofgebäude wurde am 19. März 1855 durch Hochwasser und Eisschollen derart stark beschädigt, dass die Ostseite des Hauses einstürzte. Das Haus wurde repariert, brannte aber 1879 nieder. Das jetzige Bauernhaus ist der Neubau aus dem Jahre 1880.
Der Hof hat früher Pferde, Rinder und Schweine gehalten. Mit der Mechanisierung und der Einführung von Traktoren wurde die Pferdezucht 1951 und die Schweinezucht aufgrund des Preisverfalles von Schweinefleisch 1985 aufgegeben. Heute hält der Betrieb Fleischrinder und Mutterkühe und zieht Kälber auf. Milch wird nicht mehr produziert.