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Kleientnahme für den Deichbau

Seit 1995 wird in einem ca. 80 ha großen Gebiet Kleiboden für den Deichbau entnommen. Vor der Bodenentnahme wurde hier Ackerbau betrieben. Die zahlreichen Deichbaumaßnahmen in der näheren Umgebung benötigten viel Kleiboden. Dieser wird als äußere Schicht auf den Deich aufgetragen und schützt den inneren Sandkörper vor Auswaschung.

Auch in früheren Zeiten benötigte man für den Deichbau Boden. Für die Landwirtschaft war der Boden knapp, und die Bauern gaben ihr Land für die Bodenentnahme nicht oder nur ungern her (nach der Entnahme ist das Land für die Bewirtschaftung nicht mehr geeignet). Für die hohe Wertigkeit des Bodens kann diese kleine Episode dienen:

Es wurde Boden für den Deichbau in Oldershausen benötigt. Keiner war bereit, Boden herzugeben. Da schlossen sich die 14 Oldershausener Bauern zusammen und entschieden, dass derjenige, der den benötigten Boden zur Verfügung stellt, dafür das Recht erhält, alljährlich zwei Rinder zusätzlich mit auf die Gemeindeweide zu stellen.

Alte Flurbezeichnungen geben Hinweise darauf, dass auf diesen Flurstücken Boden für den Deichbau entnommen wurde. Ursprünglich war die Bezeichnung für diese Flurstücke „Diekel-Eer”, die im Hochdeutschen korrekterweise Deichelerde bzw. Deicherde heißen müßten. Diese Benennungen findet man bei Flurstücken am Ilaudeich, am Elbdeich in Rönne und in Schwinde. Heute sind diese Entnahmestellen meist in die Landschaft integriert, bei genauer Beobachtung kann man sie aber noch entdecken.

Der flache Marschboden ist durch den Einfluss der Elbe und ihrer Tide entstanden. Die nährstoffreichen, schweren, ton- und schluffhaltigen Marschböden sind durch einen guten Wasserhaushalt aber durch einen schlechten Lufthaushalt gekennzeichnet. Neben den ton- und schluffhaltigen Bestandteilen durchziehen auch Feinsande die Marschböden, die während der Überflutungen der Elbe sedimentierten. Die Marschlandschaft zeigt besonders deutlich ein kleinflächiges, sehr variables Bodenmosaik. In der jetzigen Kleientnahmestelle fand man Böden mit mächtigen Kleischichten, so dass sich der Abbau für den Deichbau lohnte.

Diese Bodenentnahmestelle ist sehr großflächig und wird schon über zehn Jahre genutzt. In dieser Zeit wurde die Landschaft durch diesen Eingriff stark verändert. Die Ackerflächen fielen zunächst brach, dann begann die Bodenentnahme, der Mutterboden wurde abgeschoben und der Klei sowie der Sand abgefahren. Für die Natur bedeutete dies, dass sie sich auf immer neue Lebensbedingungen einstellen musste.

Mit Beginn des Bodenabbaus stellten sich gleich Flussregenpfeifer, Rotschenkel und Stockente ein und begannen mit der Brut. Heute findet man auf dem Gelände die unterschiedlichsten Vegetationen wie z. B. Wasser-, Sumpf- und Röhricht- und Brachflächen aber auch vegetationsfreie Flächen. Dies kommt zahlreichen Vögeln, Kriechtieren und Insekten zugute, die hier einen für sie geeigneten Lebensraum finden.

Säbelschnäbler(Recurvirostra avosetta)So hat sich dieses Gelände zu einem biologischen Kleinod entwickelt. Hervorzuheben sind die ansonsten hier nicht mehr als Brutvogel vorkommenden zierlichen Säbelschnäbler. Aber auch andere Arten wie Uferschnepfe, Bekassine, Kiebitz und Brandgans sind hier zu finden.



Flussuferläufer(Actis hypoleucas)Die Wasserflächen bieten zahlreiche Enten wie Löffel- und Knäkente aber auch Grau – und Kanadagänsen einen optimalen Lebensraum. Besonders interessant wird es für Ornithologen im Frühjahr und im Herbst. Hier können neben den ganzjährig bleibenden Vögeln auch die Durchzügler beobachtet werden. Diese vielfältige Landschaft wird von ihnen gerne als Zwischenstation genutzt. Auch seltene Arten wie z. B. Grünschenkel, Sichelstrandläufer und Flussuferläufer hatten Vogelexperten schon vor dem Fernglas.

Haben sich an den zwischengelagerten Sandbergen Steilwände gebildet, so werden sie sofort von den Uferschwalben entdeckt, die ihre Bruthöhlen hinein graben.

Großer Brachvogel(Numenius arquata)Viele Vögel, die in einer ausgeräumten, flurbereinigten Landschaft keine optimalen Brutplätze mehr finden, haben sich hier angesiedelt. So weisen z. B. Kiebitz, Feldlerche und Schafstelze hier eine höhere Brutdichte auf als in anderen Gebieten. Aber auch Braunkehlchen und der Große Brachvogel sind hier zu beobachten. (Bildquelle: www.andreasholgerklein.de)


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