Hochwasserschutz in Drage
In früheren Jahrhunderten haben die Menschen Naturkatastrophen als eine Art Vergeltung für begangene Sünden angesehen. Wäre dies nicht so gewesen, hätten sie bei ihrem jahrhundertelangen Kampf gegen das Wasser schlichtweg verzweifeln müssen. Nicht umsonst stehen unsere geschichtlichen Informationstafeln deshalb unter dem Generalthema: "Die Elbmarsch und das Wasser".
Hochwasser entstanden und entstehen durch:
Sturmfluten
Schmelzwässer
länger anhaltende Regenperioden
Eisstände
bei denen sehr starker Westwind herrscht, der das Wasser in die Elbe drückt und ein Ablaufen des Wassers bei Ebbe weitgehend verhindert. So baut sich eine Flut auf die andere auf. Normaler Tidenhub bei Hoopte immerhin noch rund 200 cm.
wobei das Wasser nicht nur von der Geest in die Marsch läuft, sondern auch die Nebenflüsse erheblich höhere Wassermengen der Elbe zuführen.
bei denen ebenfalls das große Einzugsgebiet berücksichtigt werden muß.
bei denen sich die Eisschollen übereinander schieben und dadurch den Wasserabfluss ganz oder teilweise verhindern. Eine weitere Gefahr besteht darin, dass tonnenschwere Eisschollen den Deich aufschlitzen und es zu Deichbrüchen kommt.

Bodenverlagerungen der Elbe im ufernahen Bereich können zu Uferabbrüchen und gefährlichen Unterhöhlungen des Deichkörpers führen. Dies wird heute verhindert durch den Bau von Buhnen und Grundbetten im Uferbereich. Boden im Uferbereich wird abgelagert, weil die Fließgeschwindigkeit des Wassers durch Buhnen deutlich gesenkt wird. Zugleich wird damit eine Veränderung des Flusslaufes, die früher die Regel war, unterbunden. In der Binnenmarsch sind noch Teile alter Elbarme zu finden. Auch die Ilau war früher ein Hauptnebenarm der EIbe. Im Laufe der Jahrtausende sind viele Flussarme versandet, wieder natürlich zugeschüttet oder neu ausgewaschen worden. Die Elbe war kein gerader Fluss wie heute: Es war ein mehr oder weniger stark verzweigter Flusslauf in sich windenden Biegungen (mäandrierend), der eine Vielzahl von Bodenabbrüchen und -ablagerungen aufwies, die sich ständig veränderten.

Wann die ersten Deiche in der Elbmarsch errichtet wurden, ist nicht bekannt, da hierüber kaum Aufzeichnungen existieren. Nach Ernst Reinstorf ist der Drager und Drennhäuser Achterdeich in der südlich liegenden Binnenmarsch bis hin zum Uhlenbusch in Drage "mindestens vor dem Jahre 1188, wahrscheinlich aber schon erheblich früher" aufgeschüttet worden.
In der Zeit von 1650 bis 1954 haben alle paar Jahre ein Hochwasser oder eine Sturmflut die Elbmarsch heimgesucht. Erwähnt werden soll hier das Hochwasser aus dem Jahre 1855.
Ernst Reinstorf schildert:
"Am Neujahrstag 1855 tobte ein heftiger Sturm, der in Marschacht, Tespe, Rönne, Drennhausen und Krümse Häuser beschädigte. In der Binnenmarsch stand alles unter Wasser, viele Gebäude wurden beschädigt und Vorräte vernichtet. Danach setzte starker Frost ein. Das Eis war durchweg einen Fuß (29,1 cm) dick. Anfang März setzte Tauwetter ein, in der Oberelbe löste sich das Eis und drängte mit gewaltiger Kraft nach unten. In der Marsch stieg das Wasser höher und höher. Am 19. März setzte wieder ein heftiger Sturm ein, und mit ungeheurer Kraft bahnten sich Wasser und Eis ihren Weg, nicht verschonend, was sich ihnen entgegenstellte. Bäume und Häuser wurden umgerissen oder beschädigt. Eis türmte sich vor Häusern bis fast zum Giebel auf. In ein Haus drang das Eis durch Fenster und Türen bis in die Stuben und Kammern. Dies alles passierte am 19. März 1855, 10 Uhr und 10 Minuten."
Auch Deichbrüche waren keine Seltenheit. Deichbrüche bei Drage sind aus den Jahren 1480, 1540, vor 1569, 1710 und 1976 bekannt. In neuerer Zeit durch Hochwässer betroffen war die Elbmarsch 1974/75, 1981, 1987, 1988,2002 und durch Sturmfluten 1962, 1967, 1973 sowie 1976.
Bis zum Bau des neuen Elbdeiches im Jahre 1976 lagen große Teile von Drage außendeichs. Der alte Deich verläuft mit ca. 50 m Abstand parallel zur Landesstraße. Ein kleiner, wenn auch nicht besonders guter Schutz vor Hochwasser war die Sanddüne Uhlenbusch, die zu einer Art Sommerdeich ausgebaut war. Besser war deshalb, ähnlich wie auf den Halligen an der Nordsee, das Haus auf einem künstlich aufgeschütteten Erdhügel, Warft oder Wurt genannt, zu bauen. Vor und hinter dieser Informationstafel können Sie solche Wurten mit Häusern darauf sehen. Häuser auf Wurten gibt es nicht nur in Drage, sondern auch in Hunden und in der Binnenmarsch.
Die Sturmflut vom 04.01.1976 führte in Drage-Uhlenbusch zu zwei Dünen- bzw. Sommerdeichbrüchen und richtete für die Uhlenbusch-Bewohner erhebliche Schäden an. Um zukünftig Schäden am Sommerdeich zu vermeiden, sollte bei späteren Hochwässern ein Siel im Westen des Ortes geöffnet und ein gewisser Wasserstand im Ort toleriert werden. Hierdurch sollte ein Druckausgleich gegeben werden, der einen sonst möglichen Deichbruch verhindert.Mit dem Bau des neuen Elbdeiches hat sich diese Maßnahme aber erübrigt. Der ab 1976 neu gebaute Drager Elbdeich wurde bereits 2003/04 verstärkt und erhöht.