Deichvorland der Elbe zwischen Rönne und Marschacht
Seit dem Bau des Stauwehres bei Rönne – Inbetriebnahme 1960 – bildet dieses den Abschluss der Auswirkungen von Ebbe und Flut in der Elbe. Während der Wasserstand unterhalb des Wehres im Mittel noch ca. 2, 20 Meter mit der Tide schwankt, werden die weit geringeren Wasserstandsschwankungen oberhalb des Wehres nur vom Maß des Zuflusses und des Oberwasserzuflusses verändert.

Der Niedermarschachter und Rönner Werder stellt der Elbe bei Hochwasser eine relativ große Fläche als Überflutungsraum zur Verfügung (vom Deich bis zum Elbufer sind es hier ca. 450 Meter). Im Laufe der Zeit hat sich durch die Hochwasser und die mitgeführten Sandfrachten ein bewegtes Relief im Deichvorland gebildet. Bei Hochwasser steht das Elbwasser häufig bis an den Deich und die Wiesen werden bis auf kleine Erhebungen (je nach Höhe des Wasserstandes), die sich durch das Relief ergeben, vollständig überflutet.
Durch Deichbaumaßnahmen wurden der Elbe in der Vergangenheit Überflutungsflächen genommen, die von existentieller Bedeutung sind, wie das Jahrhunderthochwasser im August 2002 allen Anrainern der Elbe verdeutlichte.
Oberhalb des Wehres zwischen Rönne und Marschacht liegt der sogenannte Hachede Sand ("Vogelinsel"), der sich nach Inbetriebnahme des Stauwehrs durch Hochwasser langsam ausbildete und immer noch weiter verändert. Dieser wird seit 1987 durch die Ortsgruppe Geesthacht des Naturschutzbundes Deutschland (NABU) betreut sowie floristisch, faunistisch und ornithologisch untersucht. Ziel dieser Betreuung ist es, Inseln, Teichflächen und Priele zu schaffen, um Brutplätze für Vögel, Laichplätze für Fische sowie Lebensraum für Grünfrösche und Wasserpflanzen zu entwickeln.
Der Hacheder Sand wird durch Schafbeweidung und Mahd so gepflegt, dass verschiedene Stadien der Vegetationsentwicklung erhalten bleiben.
Tier- und Pflanzenwelt im Elbwerder:
Nicht nur als Überflutungsfläche ist der Elbwerder von Bedeutung sondern es können auch zahlreiche Tier- und Pflanzenarten beobachtet werden. Hier können noch seltene und gefährdete Pflanzen wie z. B. die Schwanenblume, der Große Wiesenknopf, die Gelbe Wiesenraute und die Filzige Pestwurz gefunden werden.
Die Röhrichtsäume und Weidengebüsche entlang des Elbufers bieten nicht nur einen schönen Anblick sondern dienen auch zahlreichen Tieren wie z. B. Beutelmeise, Rohrammer, Libellen und Hornissen als Lebensraum. Immer häufiger findet man auch Fraßspuren des Bibers an Weiden des Elbufers. Er breitet sich von stromaufwärts kommend immer noch weiter aus. Die weiten offenen Wiesen werden im Sommer von Wiesenbrütern wie Feldlerche und Kiebitz und im Winter von bis zu 6 Gänsearten genutzt (z. B.: Bläss-, Grau-, Saat- und Kanadagänse).
Aufgrund dieser besonderen Bedeutung wurde das Elbvorland und die Elbe als Teil des europäischen Schutzgebietsystem Natura 2000 unter Schutz gestellt.
Nach Fertigstellung der Elbbrücke bei Rönne wurde die zwischen 1830 und 1966 betriebene Fährverbindung zwischen Geesthacht und Marschacht eingestellt.
Seit April 1998 ersetzt die Fischaufstiegshilfe an der Staustufe (Wehr) Geesthacht die nicht funktionierende Fischtreppe. Wanderfischarten wie Aal, Meerforelle, Lachs, Fluss- und Meerneunauge, Stint und Stichling werden durch Querbauwerke wie das Wehr Geesthacht in ihrer Wanderung erheblich beeinträchtigt. Durch eine 216 Meter lange künstliche Rinne soll den Fischen die Möglichkeit gegeben werden, den Höhenunterschied von ca. 4,7 Metern zu überwinden.