Binnendeiche in Marschacht
Der Deichbau begann in unserer Gegend vermutlich schon 1000 n.Chr., urkundlich belegt ist er für die zweite Hälfte des 13. Jahrhunderts. In der Elbmarsch wurden Binnendeiche benötigt, um die Bewohner, Vieh, Felder, Haus und Hof vor allem vor Hochwasser aus der Ilmenau, der Neetze und der Marschwetter zu schützen. Sie dienten ebenso dem Schutz vor rückwärtigem Elbhochwasser bzw. vor Elbsturmfluten, die in Hoopte über die Ilmenaumündung eindringen konnten.
Der Deichbau wurde ab Anfang des 17. Jh. besonders verstärkt, nachdem die Gose-Elbe und die Dove-Elbe auf Hamburger Gebiet abgedämmt worden waren und es sich herausgestellt hatte, dass man weder auf rechtlichem, noch auf militärischem Wege etwas dagegen erreichen konnte. Deshalb schützte man sich selber gegen den erhöhten Wasserstand und häufiger auftretende Hochwässer.
Zum Marschachter Gebiet gehören:
Marschachter Achterdeich
Landwehrdeich
Stilkensdeich
Der Marschachter Achterdeich ist der älteste Deich, er umschließt das Marschachter Feld. Heute ist er abgetragen und dient nur noch als Feldweg.
Der Landwehrdeich wurde zwischen Achterdeich und Elbdeich gebaut, um besonders das Gut Obermarschacht gegen Wasser ‚von hinten' zu schützen. Das Gut befand sich auf dem Gebiet um die heutige Gaststätte Ahrens und gehörte verschiedenen Adelsfamilien, u.a. von Schulzes (s. Hieronymus-Schulze-Weg; Obermarschacht wurde auch Junkerndorf genannt). Zuletzt gehörte es den Freiherren von Bülow. Diese mußten das Gut 1884 nach Aufteilung verkaufen.
Er wurde 1725 auf dem Gebiet der Familie Stilke gebaut, zehn Deichanlieger waren für seinen Zustand verantwortlich. Ursprünglich hatte er eine Länge von 2,5 km, von denen jedoch nur noch knapp die Hälfte erhalten geblieben ist. Zusammen mit dem Achterdeich schützte er eine große Fläche (das Brandfeld). 1827 führte ein Winterhochwasser zu einem Deichdurchbruch, nach Wasserabzug verblieben eine Deichlücke und ein Brack. Die Deichkrone war nicht mehr hoch genug. Unter einem Brack versteht man ein stehendes Gewässer, das infolge von Deichbruch durch Auskolkung (geolog.: Auswaschung) entstanden ist; dieses konnte früher häufig nicht wieder verfüllt werden, so dass der neue Deich um das Brack herum gebaut werden mußte.
Berechnungen ergaben, dass 218 Pütte Erdreich zu bewegen waren, das entsprach etwa 66000 Schubkarren Erde. (1 Pütt =ca. 25 m³; also ca. 5500 m³.) Die Kosten für die Wiederherstellung einschließlich der Erhöhung und Verstärkung sollten 1531 Reichstaler betragen. (Arbeitslohn für einen Tag Handdienst: 4 Gute Groschen)
Nach einigem Hin und Her wurde mit der Umdeichung des Bracks begonnen - zu spät, denn im Winter 1827/28 brach der Deich erneut, vermutlich wegen fehlender Deichbesodung. Auch jetzt wurde mit der Deicharbeit bis nach der Ernte gewartet. Es kam zu einer Strafandrohung durch das Obermarschachter Gericht. Dann ging es sehr schnell mit der Fertigstellung, die Deichschau im November befand den Zustand mit Ausnahme geringfügiger Verbesserungen in Ordnung.
Die Deiche wurden - nachdem dies von der Herrschaft angeordnet wurde gemeinschaftlich von den Marschbewohnern gebaut. Pflege und Instandhaltung der Deiche bzw. der Wiederaufbau nach einem Deichbruch oblagen den Grundeigentümern mit Deichberührung (vor der Bauernbefreiung war es die Pflicht der Nutzer von Grund und Boden). Sie unterlagen der sogenannten Deichpflicht, überprüft wurde der Deichzustand bei den Deichschauen. Heute ist der Deichrest des Stilkensdeich in einem naturbelassenen Zustand, er dient nur noch als Bodenreserve und ist ein Rückzugsgebiet für Flora und Fauna.
Die Binnendeiche wurden mit dem Bau des Ilmenau-Kanals und der Ilmenau-Kanaldeiche vor über 100 Jahren (1888/89) entbehrlich, da Rückstauwasser bzw. Hochwasser durch diese aufgehalten wurden. Heutzutage schützt uns außerdem das Ilmenau-Sturmflut-Sperrwerk, das bei Hochwasser geschlossen wird und somit das Eindringen des Elbwassers in die Ilmenau verhindert.